Der Corona-Thread

  • Hat sich jemand mal mit der Meinung von Stefan Homburg beschäftigt?


    https://rp-online.de/panorama/…rechtigt-ist_aid-50253127


    Habe da heute das erste Mal von gehört.

    Sehe es recht kritisch und er bekommt auch viel Gegenwind, aber man einiges auch nachvollziehen.

    Macht mich nur insgesamt noch etwas ratloser... was ist denn jetzt richtig? :weissnicht:

  • Naja, wie sehr die Infektionsrate ohne Lock Down zurückgegangen wäre, lässt sich ja gerade in Schweden bestaunen. Oder auch vorher in Großbritannien und den USA, die ja auch zuerst auf Massnahmen verzichteten.


    Alexander Kekule geht in seinem heutigen Podcast recht umfassend auf den Reproduktionswert ein und erläutert, dass die Leute ja auch schon VOR der offiziellen Verhängung der Massnahmen mit Homeoffice und grösserer Vorsicht unterwegs waren - und insofern die Werte nicht so aussagekräftig sind, wie so mancher das gerne hätte. Und die Zahlen haben am Anfang der Pandemie durchaus ihre Berechtigung, aber verlieren im weiteren Verlauf komplett an Bedeutung. Müsste ich jetzt nochmal nachhören, warum genau.

  • "Nein, eine Verschwörung von Politik, Wirtschaft und Medien steht nicht dahinter. Es ist viel banaler: Anfangs haben Kopflosigkeit und Aktionismus, ja Panik, die politischen Entscheidungen bestimmt. Nun sind es Sturheit und Rechthaberei. Eine Fahrlässigkeit, die sich jetzt bitter rächt, wo man vor den Trümmern einer Gesellschaft steht. Denn keines der gesellschaftlichen Funktionssysteme, um mit dem Systemtheoretiker Niklas Luhmann zu sprechen, ist noch intakt: weder die Politik, noch die Wirtschaft, weder die Medien, noch die Kunst, weder die Kultur, noch die Wissenschaft, weder die Bildung, noch die Religion. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen."


    https://www.spiegel.de/politik…nXE0U5Jjdx0QGbw3vB6S6OXCk


    Ich mache mir deutlich mehr Sorgen wegen unserer völlig inkompetenten politischen Fürhung als wegen des Virus'.

    Ich möchte nie mehr arbeiten, sondern nur noch am Tresen stehen und saufen. (Erwin Kostedde)

  • Ich mache mir deutlich mehr Sorgen wegen unserer völlig inkompetenten politischen Fürhung als wegen des Virus'.

    Komisch, andere Länder beneiden uns um unsere politische Führung. Und man muss nur mal über den großen Teich schauen, um zu sehen, was wirkliche Inkompetenz zu leisten im Stande ist! Der Job, den die Regierenden zurzeit - weltweit! - haben, ist allerdings auch extrem undankbar: Selbst die Wissenschaft weiß kaum etwas über dieses Virus und dessen Folgen und lernt jeden Tag dazu. Das Pandemiegeschehen hat seine eigene Dynamik. Ich habe natürlich eine eigene Meinung dazu, die ich hier auch schon geschrieben habe, aber ich habe auch nicht die Verantwortung für 80 Mio. Menschen. Möglicherweise werden wir irgendwann feststellen, dass Fehler gemacht wurden, aber in welcher Richtung dies geschehen ist, kann noch niemand mit Sicherheit sagen! Und ist es das böse Kapital, dass uns schnellstmöglich wieder in die Arbeit zwingen will, oder ist es die böse Politik, die uns unsere Grundrechte rauben möchte? Oder geht es letztlich nur darum, den richtigen Mittelweg zwischen Gesundheitsschutz und Funktionsfähigkeit unserer Gesellschaft zu finden?

  • Das ist auch das, was ich schon vor Wochen meinte: Wir brauchen als Gesellschaft einen Minimal-Bodycount, damit wir rückblickend sagen werden, das war es alles wert. Aktuell sieht es so aus, dass die Maßnahmen greifen und wir statt auf gut denkbare 100.000 nur Richtung 10.000 Tote steuern. Und das ist, so gesehen, zuwenig. Ich denke, in Spanien oder Italien gibt es da deutlich weniger Zweifel.


    Andererseits scheint es schon auch so zu sein, dass allein das Social Distancing schon ziemlich gut gegriffen hat. Ob es den kompletten Lockdown etc. wirklich gebraucht hat, ist eine andere Frage.

  • Andererseits scheint es schon auch so zu sein, dass allein das Social Distancing schon ziemlich gut gegriffen hat. Ob es den kompletten Lockdown etc. wirklich gebraucht hat, ist eine andere Frage.

    Wir hatten in Deutschland ja gar keinen kompletten Lockdown! Verglichen mit vielen anderen Ländern waren die Maßnahmen hier ja noch äußerst milde! Von daher können wir uns eigentlich nicht beklagen!

    cologne55 Ich sehe es grundsätzlich eher wie du, aber wenn man völlig unverschuldet vor den Trümmern seiner beruflichen Existenz steht, kann ich schon nachvollziehen, dass man da wie HendrikO einen bitteren Blick auf das Ganze hat.

    Ich habe volles Verständnis für jeden, der um seine Existenz fürchtet. Und ich hoffe gerade deshalb, dass wir die Einschränkungen - unter welchen Umständen auch immer - möglichst kurz halten können. Aber erst wenn man absehen kann, wie lange das Ganze dauert, kann man auch seriös beurteilen, welche Hilfen möglich sind. Und dann wird hoffentlich auch HendrikO geholfen. Das gilt für Kleinunternehmer genauso wie für große Firmen oder gar ganzen Länder, wie Italien oder Spanien, und letztlich auch "Entwicklungsländer". Und irgendwann wird man auch da Prioritäten setzen müssen, wobei auch Wechselwirkungen zu beachten sein werden. Ganz komplizierte Angelegenheit, selbst wenn man einfach nur den Status Quo halbwegs wiederherstellen möchte. Plant man daneben noch, die Welt zu verbessern, wird das wahrscheinlich eher unmöglich, zumal es ja auch da je nach Ideologie viele Ansätze gibt. Die Verbesserung der Welt dürfte also eher erstmal ausfallen, so sehr einige sie auch angesichts der Krise herbeizureden suchen.

  • Die Schwierigkeit besteht darin, dass man keine brauchbaren Zahlen hat. Was man sehr schnell braucht ist ein funktionierender Antikörpertest und entsprechende Testkapazitäten. Ohne eine verlässliche Aussage über die Dunkelziffer ist das alles nicht aussagekräftig und man kann sehr schlecht planen. Aber einiges weiß man ja inzwischen trotzdem.


    Wieler sagte in der PK über die Symptome, dass 40-50% der Erkrankten Husten und Fieber hätten. Soll das heißen allein bei den gemeldeten Fällen gibt es bis zu 50% asymptomatische Verläufe? (Ich verallgemeinere unzulässig, da ich davon ausgehe, das beides zusammen auftritt.) Und dann kommt noch die Dunkelziffer drauf? Puh...


    Dazu klappt es ja nicht effektiv, das Virus aus Kliniken und Altenheimen rauszuhalten, dann machen auch die ganzen Maßnahmen wenig Sinn, da man die besonders Gefährdeten nicht schützen kann.


    Achja, die Krankheit betrifft ja auch die Jüngeren. Gestern wurde gemeldet, dass ein 26jähriger ohne bekannte Vorerkrankungen gestorben ist. Und natürlich ist das tragisch und auch traurig, aber wie viele in dem Alter sind bisher gestorben? 6 Personen im Alter von 20-29. Wie viele sterben täglich an diversesten Krankheiten, Unfällen etc.?


    Nein, das Leben eines jungen Menschen ist nicht mehr wert, als das eines 80jährigen. Aber auch nicht weniger! Und niemand möchte Zustände wie in Italien, Spanien oder den USA. Aber abgesehen von dem überstrapazierten Begriffs der Verhältnismäßigkeit muss man daraus lernen, welche Konzepte wie funktionieren. Und hier scheinen Abstand und Hygiene viel bewirken zu können.


    Wenn ich das alles so sehe, würde ich fast sagen, Mundschutzpflicht überall, alle halten sich an eine ordentliche Hygiene und zurück zum (neuen) Alltag.

    "...und Du versaust hier 50.000 Leuten die Party. Dafür spielst Du Fußball." (Thomas Kessler, 19.11.2016)

  • Wenn man Virologen fragt, werden sie wahrscheinlich sagen man soll zu Hause bleiben, bis ein Impfstoff gefunden ist. Das ergibt ja aus der Sicht des Virologen Sinn, denn dann kann man das Virus wohl am besten bekämpfen. Genauso wird man aber wahrscheinlich auch Lungenfachärzte fragen können, was sie von Zigaretten halten.


    Ich beneide keinen Politiker darum diese Entscheidungen momentan treffen zu müssen. Aber man muss diese Entscheidungen momentan auch mal in Frage stellen dürfen, ohne direkt in eine Schublade mit Impfgegnern, Reichsbürgern oder sonstigen Irren gesteckt zu werden.


    Und ich kann alle Selbständigen momentan verstehen, die gerade Angst vor ihrer beruflichen Existenz haben. Gestern noch hörte ich, dass die 9.000 Euro Soforthilfe nur für Betriebskosten verwendet werden dürfen. Das ist ja wirklich blanker Hohn, wenn Festangestellte, wie ich zum Beispiel, 60% des Gehalts ausgezahlt bekommen, ohne dass es da irgendwelche Regeln gibt.

  • Auch vor dem Hintergrund, dass es alles andere als sicher ist einen Impfstoff entwickeln zu können, stimme ich dir voll zu.


    Mit dem Virus zu leben wird wohl zum allgemeinen Lebensrisiko. Ich fahre vorsichtig Auto und kann doch einen schweren Unfall nicht ausschließen. Wir haben es durch strenge Regeln und technischen Fortschritt geschafft, die Zahl der Verkehrstoten deutlich zu senken, aber Null werden wir nie erreichen. Ich habe es z.B. noch erlebt, dass man auf Landstraßen keine Geschwindigkeitsbegrenzung hatte und Sicherheitsgurte gab es auch nicht usw. Diese Umstellung war für mich vergleichbar mit Schutzmaskenpflicht und Abstandsgebot.


    Auch vor dem Virus werde ich mich nicht 100prozentig schützen können. Ich bin gespannt, wie auf Dauer die Balance zwischen neuer Normalität und Restrisiko aussieht.

    I am not a lazy bum! I am a potential workaholic with highly developed stress management skills!

  • Wenn man Virologen fragt, werden sie wahrscheinlich sagen man soll zu Hause bleiben, bis ein Impfstoff gefunden ist. Das ergibt ja aus der Sicht des Virologen Sinn, denn dann kann man das Virus wohl am besten bekämpfen. Genauso wird man aber wahrscheinlich auch Lungenfachärzte fragen können, was sie von Zigaretten halten.


    Ich beneide keinen Politiker darum diese Entscheidungen momentan treffen zu müssen. Aber man muss diese Entscheidungen momentan auch mal in Frage stellen dürfen, ohne direkt in eine Schublade mit Impfgegnern, Reichsbürgern oder sonstigen Irren gesteckt zu werden.

    So sieht es aus. Mediziner und Wissenschaftler geben Ratschläge nur(!) aus ihrer fachlichen Sicht. Die Politik hat aber politische(!) Entscheidungen unter Berücksichtigung aller Belange zu treffen. Insofern muß die Diskussion, ob sich die Politik momentan zu sehr hinter den Fachleuten versteckt und die notwendige Debatte ausbleibt, erlaubt sein.

    Ich möchte nie mehr arbeiten, sondern nur noch am Tresen stehen und saufen. (Erwin Kostedde)

    Einmal editiert, zuletzt von HendrikO ()

  • Letztlich wurden viele Restriktionen (global!) ja eingeführt, ohne bereits im Voraus eine sichere Aussage treffen zu können, was davon wie wirkt und wie notwendig ist. Das wird man wohl erst in einiger Zeit mit sauberen Zahlen evaluieren können. Ich hoffe, dass, falls (wenn?) die zweite Welle kommt, kein erneutes (und auch schwer vermittelbar es) komplettes Runterfahren kommt, sondern Maßnahmen, die nachgewiesenermaßen einen Effekt im Rahmen des Erforderlichen haben.

  • Hoffentlich kommt diese 2. Welle erst im Herbst. Bis dahin kann man noch viel auswerten.


    Bin sehr gespannt auf die finalen Ergebnisse der Heinsberg Studie, angekündigt für nächste Woche. Da werden dann hoffentlich die Ergebnisse zu den Übertragungen und Ansteckungen in Haushalten sowie zur Viruslast und Hygiene etc. kommen.

    "...und Du versaust hier 50.000 Leuten die Party. Dafür spielst Du Fußball." (Thomas Kessler, 19.11.2016)

  • Für Deutschland wäre abzuwarten, ob es überhaupt eine erste Welle gibt. Bei uns ist die Übersterblichkeit noch bei Null.

    Ich möchte nie mehr arbeiten, sondern nur noch am Tresen stehen und saufen. (Erwin Kostedde)

  • Ist halt ähnlich wie bei einer Schwangerschaftsverhütung. Funktioniert sie, applaudiert kaum einer. Weil man hat ja keine Gefahr erleben müssen.


    Und schon kommen die Rufe nach Lockerung :zahnluecke:

  • Ist halt ähnlich wie bei einer Schwangerschaftsverhütung. Funktioniert sie, applaudiert kaum einer. Weil man hat ja keine Gefahr erleben müssen.


    Und schon kommen die Rufe nach Lockerung :zahnluecke:

    Ja, dein Beispiel paßt. Der Pearl-Index der Pille liegt bei 0,1- das bedeutet, in einem Jahr wird eine von 1000 Frauen schwanger, obwohl sie die Pille nimmt. Wir sollten also Sex verbieten, bis diese Schwachstelle behoben ist.

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  • Euromomo hat Zahlen bis einschließlich KW17 (letzte Woche) und die Übersterblichkeit liegt weiterhin bei 0. In den meisten anderen europäischen Ländern übrigens auch.

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